topnav-arrow
Kontakt
logocontainer-upper
Kommission für kirchliche Zeitgeschichte im Erzbistum Paderborn
logocontainer-lower

Zwischen Forschung und Aufarbeitung muss differenziert werden

14. April 2021
Paderborn
Professorin Nicole Priesching äußert sich in der Bistumszeitung zum Forschungsprojekt "Missbrauch im Erzbistum Paderborn", das an der Universität erarbeitet wird.

„Historische Forschung fragt immer auch: Wie konnte es dazu kommen?“ In einem Interview mit der Bistumszeitung Der Dom äußerte sich jetzt die Paderborner Kirchenhistorikerin Nicole Priesching zu dem historischen Forschungsprojekt zum sexuellen Missbrauch im Erzbistum Paderborn, das sie an der Universität Paderborn seit über einem Jahr im Auftrag des Erzbistums mit ihrer Mitarbeiterin, Dr. dres. Christine Hartig, bearbeitet. Im Unterschied zu dem kürzlich vorgestellten „Kölner Gutachten“ des Strafrechtlers Prof. Gehrke betont Priesching, dass es bei der Paderborner Studie nicht um eine juristische, theologische oder psychologische Bewertung gehe. Vielmehr richte die Geschichtswissenschaft den Blick auf die Komplexität der Faktoren, die sexuellen Missbrauch in der Kirche förderten und Aufklärung verhinderten. Damit stehe auch nicht nur der im juristischen Sinne verantwortliche Personenkreis in der Bistumsleitung im Mittelpunkt des Interesses, sondern Beteiligte auf allen Ebenen kirchlichen Wirkens, die die Umgangsweise mit Beschuldigten beeinflussten.

„Am Ende unseres Projektes“, so Priesching weiter, „wird eine wissenschaftliche Monografie stehen, die Erklärungen anbieten möchte, warum sexuelle Gewalt von Klerikern über Jahrzehnte stattfinden konnte.“ Erklärung sei in diesem Zusammenhang nicht als Relativierung, sondern als Teil eines umfassenden Aufarbeitungsprozesses zu verstehen. In diesem Zusammenhang kritisierte die Kirchenhistorikerin die Stellungnahme des Diözesankomitees insofern, als hier nicht zwischen Forschung und Aufarbeitung unterschieden worden sei. Die geforderte Ausweitung des Untersuchungszeitraumes könne sie sich durchaus vorstellen. Dies sei aber Sache des Erzbistums als Auftraggeber der Studie.