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Kommission für kirchliche Zeitgeschichte im Erzbistum Paderborn
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© pixabay: Chris Stermitz

Sexueller Missbrauch in der katholischen Kirche: Studien und Gutachten

Sexueller Missbrauch als Forschungsgegenstand

Das Jahr 2010 bedeutete für die katholische Kirche in Deutschland so etwas wie eine „Zeitenwende“. Die Aufdeckung und Veröffentlichung des jahrelangen sexuellen Missbrauchs und sexualisierter Gewalt in dem von Jesuiten geleiteten Canisius-Kollegs in Berlin durch den damaligen Leiter, P. Klaus Mertes SJ, brachte ans Licht, dass es sich bei Missbrauchstaten innerhalb der Kirche in Deutschland keinesfalls nur um „bedauerliche Einzelfälle“ handelte, sondern dass seit Jahrzehnten Priester und andere Verantwortliche in allen deutschen Diözesen und in vielen Ordensgemeinschaften sich des sexuellen Missbrauchs an Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen schuldig gemacht hatten sowie Bischöfe und andere Verantwortliche in Leitungsämtern durch Vertuschung nicht nur Täter geschützt, sondern auch weitere Taten ermöglicht hatten.
Was deutsche Kirchenvertreter noch einige Jahre vorher, als in den USA, in Irland und Australien ein ähnliches Ausmaß an Vergehen bekannt geworden war, für die Kirche in Deutschland nicht wahrhaben wollten, entwickelte sich jetzt in kürzester Zeit zu einer der größten Vertrauenskrisen der katholischen Kirche in Deutschland. Die Deutsche Bischofskonferenz reagierte u.a. auf den sich ausbreitenden Skandal 2011 durch den Beschluss, eine wissenschaftliche Studie in Auftrag zu geben. Nach Unstimmigkeiten mit dem Auftragsnehmer wurde das Forschungsinstitut noch einmal gewechselt, bis im September 2018 die MHG-Studie als erste umfassende wissenschaftliche Untersuchung zu den kirchlichen Missbrauchstaten in Deutschland vorlag.
Diese Studie war Anlass für eine Reihe von (Erz-)Bistümern und katholischen Organisationen, eigene Untersuchungen zu initiieren bzw. zu beauftragen, von denen einige inzwischen vorliegen und veröffentlicht oder teilveröffentlicht sind, andere sind noch in Arbeit. Die Perspektiven und Schwerpunkte sind in den Projekten unterschiedlich gesetzt. In einige Bistümern fokussierte man sich auf die rechtliche Untersuchung der Missbrauchsfälle und deren Behandlung in den Ordinariaten und beauftragte folgerichtig Anwaltskanzleien mit der Erstellung von juristischen Gutachten. Andere entschieden sich für eine (kirchen-)historische oder (sozial-)psychologische Untersuchung, die in der Regel von Teams universitärer Institute erarbeitet wurde oder wird.
Auch der Zeitraum, den die verschiedenen Studien abdecken, ist nicht einheitlich. In der Regel geht es um die Epoche nach dem Zweiten Weltkrieg bis in das erste oder zweite Jahrzehnt des 21. Jahrhunderts. Einige Arbeiten orientieren sich aber auch an Amtszeiten von Diözesanbischöfen.
Im Folgenden wird versucht, einen Überblick über die Forschungsprojekte zu sexuellem Missbrauch und sexualisierter Gewalt in der katholischen Kirche in Deutschland zu geben. Dabei werden die im Netz zugänglichen Ergebnisse und/oder Teil- bzw. Zwischenergebnisse aufgelistet. Verlinkungen zu Informationen der Bistümer bzw. Organisationen sowie der Auftragnehmer, soweit im Netz auffindbar, ergänzen das Angebot. Berichte und Kommentare aus Medien wurden an dieser Stelle nicht wiedergegeben, da das den Rahmen gesprengt hätte. Das gilt auch für die Darstellung der wichtigen Arbeit von Betroffenenbeiräten, unabhängigen Aufarbeitungskommissionen, Präventionsstellen usw., soweit sie nicht an der Erstellung von Gutachten und Studien beteiligt sind. Damit beschränkt sich die Dokumentation bewusst auf einen Teilbereich der erfolgten und noch zu leistenden Aufarbeitungsarbeit in der katholischen Kirche in Deutschland.
Für Rückmeldungen, Ergänzungen und Korrekturen sind wir dankbar und werden uns bemühen, die Informationen laufend zu aktualisieren. Bitte nutzen Sie das Kontaktformular am Ende der Seite.
Alle Informationen sind mit Stand von Januar 2023 zusammengestellt worden, auf Aktualisierungen, Korrekturen, Ergänzungen und Fortschreibungen wird in den einzelnen Artikeln verwiesen.

Aktualisiert 27.01.2023: Vorstudie des BDKJ

Bistum Hildesheim (Oktober 2017)

Im Oktober 2017, also noch vor Veröffentlichung der grundlegenden MHG-Studie, veröffentlichte die damalige Interimsleitung des Bistums Hildesheim ein Gutachten, das vom Münchener Institut für Praxisforschung und Projektberatung (IPP) erarbeitet worden war. Die „Untersuchung von Fällen sexualisierter Gewalt im Verantwortungsbereich des Bistums Hildesheim“ stand im engen Zusammenhang mit Vorwürfen gegen Geistliche am Canisius-Kolleg in Berlin. Ebenfalls erhobene Missbrauchsvorwürfe gegen den ehemaligen Hildesheimer Bischof Heinrich Maria Janssen (1957-1982) persönlich konnten laut IPP weder bewiesen noch entkräftet werden.

Nach der Veröffentlichung der MHG-Studie beauftragte der neue Hildesheimer Bischof, Heiner Wilmer SCJ, im April 2019 einen Kreis externer Fachleute um die ehemalige niedersächsische Justizministerin Antje Niewisch-Lennartz mit dem Aufarbeitungsprojekt „Wissen Teilen“. Die von dieser Gruppe durchgeführte Sichtung einschlägiger Akten sowie Gespräche mit Betroffenen und Zeitzeugen bezogen sich ebenfalls auf die Amtszeit Heinrich Maria Janssens. Wegen des Widerspruchs eines Beteiligten konnte im September 2021 vorläufig nur die sozialwissenschaftliche Untersuchung des IPP und damit der zweite Band des Abschlussberichts „Aufklärung und Aufarbeitung sexualisierter Gewalt im Bistum Hildesheim während der Amtszeit von Bischof Heinrich Maria Janssen“ veröffentlicht werden. Gleichzeitig wurde angekündigt, Band 1 („Zusammenfassende Darstellung und Archivrecherche“) werde nach Überarbeitung „in Kürze neu eingestellt“, was bisher nicht erfolgt ist.

Links:

Gutachten des IPP München: Untersuchung von Fällen sexualisierter Gewalt im Verantwortungsbereich des Bistums Hildesheim–Fallverläufe, Verantwortlichkeiten, Empfehlungen (Oktober 2017)

Abschlussbericht der Expertengruppe zum Projekt »Wissen Teilen«, Band 2 des IPP München: Aufklärung und Aufarbeitung sexualisierter Gewalt im Bistum Hildesheim während der Amtszeit von Bischof Heinrich Maria Janssen (April 2021)

Informationen und Stellungnahmen des Bistums Hildesheim… 

Informationen des IPP München… 

MHG-Studie (September 2018)

Im Juni 2011 erteilte die Deutsche Bischofskonferenz (DBK) Prof. Christian Pfeiffer und dem Kriminologischen Forschungsinstitut Niedersachsen den Auftrag, eine Studie zum sexuellen Missbrauch in allen deutschen Diözesen zu erstellen. Dieser Auftrag wurde allerdings schon im Januar 2013 nach Unstimmigkeiten zwischen den Vertragspartnern widerrufen.

Im März 2014 bekamen daraufhin drei universitären Forschungsinstitute in Mannheim, Heidelberg und Gießen einen interdisziplinären Forschungsauftrag, an dem Psychologen/Psychiater, Gerontologen und Kriminologen beteiligt waren. Das Ergebnis ihrer Untersuchungen wurde als MHG-Studie (benannt nach den Standorten der drei beteiligten Universitäten) bekannt und bei der Vollversammlung der Deutschen Bischofskonferenz im September 2018 unter dem Titel „Sexueller Missbrauch an Minderjährigen durch katholische Priester, Diakone und männliche Ordensangehörige im Bereich der Deutschen Bischofskonferenz“ veröffentlicht.

Links:

MHG-Studie: Sexueller Missbrauch an Minderjährigen durch katholische Priester, Diakone und männliche Ordensangehörige im Bereich der Deutschen Bischofskonferenz (September 2018)

Informationen und Stellungnahmen der Deutschen Bischofskonferenz… 

Bistum Regensburg: Regensburger Domspatzen (Juli 2019)

Drei Untersuchungen gab das Bistum Regensburg zur Aufarbeitung (sexualisierter) Gewalt bei den „Regensburger Domspatzen“, dem weltberühmten Knabenchor des Bistums, in Auftrag.

Im Juli 2017 legten die Rechtsanwälte Ulrich Weber und Johannes Baumeister den Untersuchungsbericht „Vorfälle von Gewaltausübung an Schutzbefohlenen bei den Regensburger Domspatzen“ (vollständige Buchausgabe erschien 2019 unter gleichem Titel im Springer-Verlag, Wiesbaden) vor. Ergänzt und ausgefaltet wurde der Bericht durch zwei sich anschließende wissenschaftliche Untersuchungen, die 2019 veröffentlicht wurden.

Die Kriminologische Zentralstelle (KRIMZ) in Wiesbaden erarbeitete eine Aufarbeitungsstudie unter dem Titel „Sozialwissenschaftliche Analysen und Einschätzungen zur Gewalt bei den Regensburger Domspatzen 1945 bis 1995. Parallel dazu veröffentlichten zwei Historiker am Lehrstuhl für Bayerische Landesgeschichte der Universität Regensburg, Prof. Dr. Bernhard Löffler und Dr. Bernhard Frings, eine historische Studie. Letztere wurden in Auszügen im Netz veröffentlicht und erschien unter dem Titel „Der Chor zuerst – Institutionelle Strukturen und erzieherische Praxis der Regensburger Domspatzen 1945 bis 1995 vollständig 2019 im Pustet-Verlag, Regensburg.

Links:

Untersuchungsbericht der Rechtsanwälte Ulrich Weber und Johannes Baumeister: Vorfälle von Gewaltausübung an Schutzbefohlenen bei den Regensburger Domspatzen (Juli 2018)

Aufarbeitungsstudie des KRIMZ Wiesbaden: Sozialwissenschaftliche Analysen und Einschätzungen zur Gewalt bei den Regensburger Domspatzen 1945 bis 1995 (2019)

Auszüge aus der historischen Studie Der Chor zuerst – Institutionelle Strukturen und erzieherische Praxis der Regensburger Domspatzen 1945 bis 1995 von Bernhard Löffler und Bernhard Frings (Regensburg 2019)

Informationen und Stellungnahmen des Bistums Regensburg…

Informationen der KRIMZ Wiesbaden…

 

 

Bistum Limburg (Juni 2020)

Im Bistum Limburg initiierten Diözesansynodalrat und Bischof nach Bekanntgabe der MHG-Studie ein diözesanes Folgeprojekt „Betroffene hören – Missbrauch verhindern: Konsequenzen aus der MHG-Studie“. 70 interne und externe Expertinnen und Experten unterschiedlicher Fachrichtungen wurden mit der Aufarbeitung von Fällen im Bistum beauftragt. Die Vorstellung und Veröffentlichung der Ergebnisse erfolgte im Juni 2020.

Links:

Projektdokumentation des Bistums Limburg: Betroffene hören – Missbrauch verhindern. Konsequenzen aus der MHG-Studie (Juni 2020)

Informationen und Stellungnahmen des Bistums Limburg…

 

Bistum Aachen (November 2020)

Das Bistum Aachen ließ von der Rechtsanwaltskanzlei Westphal – Spilker – Wastl, München, ein juristisches Gutachten erarbeiten, das im November 2020 der Öffentlichkeit vorgestellt wurde. Es beschäftigt sich mit Tätern aus dem Bistumsklerus im Zeitraum von 1965 bis 2019. Neben der juristischen Würdigung der Missbrauchsfälle geht das Gutachten auch auf das Handeln der Verantwortlichen in der Bistumsleitung ein. Begleitet wurde das Projekt von dem Historiker Dr. Marc Engels, Köln.

Links:

Gutachten der Kanzlei Westphal – Spilker – Wastl: Sexueller Missbrauch Minderjähriger und erwachsener Schutzbefohlener durch Kleriker im Bereich des Bistums Aachen im Zeitraum 1965 bis 2019 – Verantwortlichkeiten, systemische Ursachen, Konsequenzen und Empfehlungen (November 2020)

Informationen und Stellungnahmen des Bistums Aachen… 

Information der Kanzlei Westphal-Spilker-Wastl München… 

Erzbistum Berlin (Januar 2021)

Im Anschluss an die MHG-Studie beauftragte das Erzbistum Berlin die Kanzlei Redeker – Sellner – Dahs in Berlin mit der Erarbeitung eines juristischen Gutachtens, das im Januar 2021 vorlag. Unter dem Titel „Sexueller Missbrauch an Minderjährigen durch katholische Priester, Diakone und männliche Ordensangehörige im Bereich des Erzbistums Berlin seit 1946“ wurde es zunächst ohne den Teil C („Zusammenfassender Inhalt der Personalakten beschuldigter Kleriker“) veröffentlicht. Im September 2021 lieferte das Erzbistum diesen Teil nach, allerdings mit erheblichen Schwärzungen.

Links:

Gutachten der Kanzlei Redeker – Sellner – Dahs: Sexueller Missbrauch an Minderjährigen durch katholische Priester, Diakone und männliche Ordensangehörige im Bereich des Erzbistums Berlin seit 1946 (Januar 2021)

Nachgelieferter Teil C des Gutachtens

Informationen und Stellungnahmen des Erzbistums Berlin… 

Presseerklärung der Kanzlei Redeker-Sellner-Dahs Berlin… 

Erzbistum Köln (März 2021)

Auch das Erzbistum Köln hatte 2018 bei der Anwaltskanzlei Westphal – Spilker – Wastl, München, ein juristisches Gutachten in Auftrag gegeben, entschied dann aber nach dessen Fertigstellung im März 2020 kurzfristig, es aus rechtlichen Gründen nicht zu veröffentlichen.

Einen neuen Auftrag bekam die Kölner Kanzlei Gercke/Wollschläger, die im März 2021 ihre Ergebnisse für den Zeitraum von 1975 bis 2018 vorlegte. Der Schwerpunkt lag dabei auf „Pflichtverletzungen von Diözesanverantwortlichen des Erzbistums Köln im Umgang mit Fällen sexuellen Missbrauchs von Minderjährigen und Schutzbefohlenen durch Kleriker oder sonstige pastorale Mitarbeitende des Erzbistums Köln“.

Links:

Gutachten der Kanzlei Gercke/Wollschläger: Pflichtverletzungen von Diözesanverantwortlichen des Erzbistums Köln im Umgang mit Fällen sexuellen Missbrauchs von Minderjährigen und Schutzbefohlenen durch Kleriker oder sonstige pastorale Mitarbeitende des Erzbistums Köln im Zeitraum von 1975 bis 2018 – Verantwortlichkeiten, Ursachen und Handlungsempfehlungen (März 2021)

Informationen und Stellungnahmen des Erzbistums Köln…

Erzbistum Hamburg: Region Mecklenburg (Juli 2021)

Beim Universitätsklinikum Ulm beauftragte das Erzbistum Hamburg 2020 für die Teilregion Mecklenburg ein Forschungsprojekt. An der Klinik für Forensische Psychiatrie und Psychotherapie in Günzburg beschäftigten sich die Forscherinnen und Forscher unter Leitung von Univ.-Prof. Dr. Manuela Dudeck mit der „Aufarbeitung und Dokumentation des sexuellen Missbrauchs von katholischen Priestern und anderen im Dienst der Katholischen Kirche stehenden Personen an Minderjährigen in Mecklenburg“. Der wissenschaftliche Tätigkeitsbericht wurde im Juli 2021 dem Auftraggeber übergeben. Eine angekündigte Veröffentlichung auf der Bistums-Homepage steht bisher aus.

Informationen des Universitätsklinikums Ulm…

Erzbistum München und Freising (Januar 2022)

Aktualisiert am 19.01.2023: Ankündigung einer Studie zum Studienseminar St. Michael, Traunstein

Die schon in Aachen und Köln tätig gewordene Münchener Kanzlei Westphal – Spilker – Wastl bekam auch vom Erzbistum München und Freising den Auftrag, unter juristischer Perspektive ein Gutachten zu erarbeiteten, das sie im Januar 2022 vorlegen konnte. Der Titel stimmte mit dem des Aachener Gutachten überein.
Für die Öffentlichkeit enthilet es eine besondere Brisanz, da in ihm auch der ehemalige Erzbischof, Joseph Kardinal Ratzinger, der nachmalige Papst Benedikt XVI., eine Rolle spielte.

Die Unabhängige Aufarbeitungskommission des Erzbistums kündigte im Januar 2023 eine wissenschaftliche Studie zu Gewalt und Missbrauch im Studienseminar St. Michael in Traunstein an, einer Schule mit Internat für zukünftige Priesteramtskandidaten. Wer den Auftrag für das Forschungsprojekt erhalten soll, ist noch nicht bekannt.

Links:

Gutachten der Kanzlei Westphal – Spilker – Wastl: Sexueller Missbrauch Minderjähriger und erwachsener Schutzbefohlener durch Kleriker sowie hauptamtliche Bedienstete im Bereich der Erzdiözese München und Freising von 1945 bis 2019 Verantwortlichkeiten, systemische Ursachen, Konsequenzen und Empfehlungen (Januar 2022)

Informationen und Stellungnahmen des Erzbistums München und Freising…

Informationen der Kanzlei Westphal-Spilker-Wastl München...

Bistum Münster (Juni 2022)

Im Auftrag des Bistums Münster wurde ein historisches Forschungsprojekt an der dortigen Universität durchgeführt. Ein Wissenschaftlerteam unter der Leitung von Prof. Dr. Thomas Großbölting stellte im Juni 2022 die Studie unter dem Titel „Macht und sexueller Missbrauch in der katholischen Kirche – Betroffene, Beschuldigte und Vertuscher im Bistum Münster seit 1945“ vor. Neben der Publikation auf der Website der Universität Münster erschien auch eine Buchausgabe im Herder-Verlag, Freiburg.

Links:

Frings/Großbölting/Große Kracht/Powroznik/Rüschenschmid: Macht und sexueller Missbrauch in der katholischen Kirche – Betroffene, Beschuldigte und Vertuscher im Bistum Münster seit 1945 (Juni 2022)

Informationen und Stellungnahmen des Bistums Münster…

Informationen der Universität Münster…

Adveniat - Fidei Donum (August 2022)

Im Auftrag der Deutschen Bischofskonferenz und des bischöflichen Hilfswerks ADVENIAT untersuchte die Rechtsanwältin und Mediatorin Dr. Bettina Janssen, Köln, die Akten der bei dem Hilfswerk angesiedelten Koordinationsstelle Fidei Donum. Diese Stelle vermittelt den pastoralen Einsatz deutscher Priester in Lateinamerika. Im Abschlussbericht der Untersuchung stand vor allem der ehemalige Leiter von Adveniat und spätere Bischof von Santo Domingo (Ecuador), Emil Stehle, im Fokus. Ihm wurde nicht nur persönlich sexueller Missbrauch vorgeworfen, sondern er half auch zahlreichen, wegen sexuellem Missbrauch straffällig gewordenen Geistlichen, sich durch zur Flucht der Strafverfolgung in Deutschland zu entziehen, indem er ihnen einen priesterlichen Einsatz in Lateinamerika vermittelte.

Links:

Abschlussbericht von Rechtsanwältin Bettina Janssen: Untersuchung der Akten der Koordinationsstelle Fidei Donum der Deutschen Bischofskonferenz Bei der Bischöflichen Aktion Adveniat in Essen (August 2022)

Informationen des Hilfswerkes Adveniat…

Bistum Osnabrück (September 2022)

An der Universität Osnabrück forscht seit August 2021 ein interdisziplinäres Team unter der Leitung des Juristen Prof. Dr. Hans Schulte-Nölke  und der Historikerin Prof. Dr. Sigried Westphal zum sexuellen Missbrauch im Bistum Osnabrück. Unter dem Titel „Betroffene – Beschuldigte – Kirchenleitung: Sexualisierte Gewalt an Minderjährigen sowie schutz- und hilfebedürftigen Erwachsenen im Bistum Osnabrück“ wird eine Studie erarbeitet, zu der seit September 2022 ein Zwischenbericht vorliegt. Er beschäftigt sich mit Pflichtverletzungen der Bistumsleitung. Der Abschlussbericht ist für September 2024 angekündigt.

Links

Zwischenbericht Pflichtverletzungen der Bistumsleitung zum Projekt Betroffene – Beschuldigte – Kirchenleitung (September 2022)

Informationen des Bistums Osnabrück…

Informationen der Universität Osnabrück sowie Pressemeldungen vom 4. Mai 2021 und 20. September 2022

Bistum Eichstätt (November 2022)

Im Bistum Eichstätt veröffentlichte die diözesane Unabhängige Aufarbeitungskommission (UAK) im November 2022 einen Zwischenbericht, dem weitere Untersuchungen folgen sollen. Deser Zwischenbericht versteht sich als Ergänzung zu einem Fall aus der Untersuchung zu Fidei Donum und Adveniat vom August 2022 (s.o.). Ein Termin für weitere angekündigte Untersuchungen bisher nicht bennant.

Links:

Zwischenbericht der UAK im Bistum Eichstätt als Ergänzung zum Fall „FD-04“
der Untersuchung der Akten der Koordinationsstelle Fidei Donum der Deutschen Bischofskonferenz
bei der Bischöflichen Aktion Adveniat in Essen
(November 2022)

Informationen des Bistums Eichstätt…

Informationen der UAK der Diözese Eichstätt…

Bistum Trier (Dezember 2022)

Auf Initiative der Unabhängigen Aufarbeitungskommission im Bistum Trier (UAK) erarbeiteten Prof. Dr. Lutz Raphael und Dr. Lena Haase, beide Fachgebiet Neuere und Neueste Geschichte der Universität Trier, die Studie „Sexueller Missbrauch an Kindern und Jugendlichen im Bistum Trier in der Amtszeit Bernhard Steins (1967–1981)“, die im Dezember 2022 der Öffentlichkeit vorgestellt wurde. Es handelt sich dabei um einen Zwischenbericht zu dem Projekt Sexueller Missbrauch von Minderjährigen sowie hilfs- und schutzbedürftigen erwachsenen Personen durch Kleriker/Laien im Zeitraum von 1946 bis 2021 im Verantwortungsbereich der Diözese Trier: eine historische Untersuchung“. Wann das Gesamtprojekt abgeschlossen sein wird, ist bisher nicht bekannt.

Die Einzelstudie „Gewalt am bischöflichen Internat Albertinum Gerolstein“ wurde im Februar 2022 von der Pädagogin Prof. Dr. Claudia Bundschuh und der Juristin Dr. Bettina Janssen vorgelegt.

Links

Zwischenbericht Sexueller Missbrauch an Kindern und Jugendlichen im Bistum Trier in der Amtszeit Bernhard Steins (1967–1981) (Dezember 2022)

Abschlussbericht Gewalt am bischöflichen Internat Albertinum Gerolstein (Februar 2022)

Informationen der unabhängigen Aufarbeitungskommission im Bistum Trier…

Bund der Deutschen Katholischen Jugend (Januar 2023)

Der Bund der Deutschen Katholischen Jugend (BDKJ) veröffentlichte im Januar 2023 eine „Vorstudie zur Aufarbeitung sexueller Gewalt in den Jugendverbänden und Strukturen des BDKJ“. Sie wurde an der Universität Münster und der Hochschule Hannover von Hannah Esser, Dr. Bernd Christmann und Prof. Dr. Martin Wazlawik erstellt. Die aus sozialpädagogischer Perspektive erarbeitete Studie stützt sich auf 121 Rückmeldungen über Fälle bzw. Verdachtsfälle sexualisierter Gewalt im Zeitraum von 1945-2021. Im Rahmen der Vorstellung kündigte der BDKJ-Bundesvorsitzende, Gregor Podschun, die Beauftragung einer „Hauptstudie“ an.

Vorstudie zur Aufarbeitung sexueller Gewalt in den Jugendverbänden und Strukturen des BDKJ im Auftrag des BDKJ (Januar 2023)

Informationen des Bundes der Deutschen Katholischen Jugend (BDKJ)…

Weitere laufende Studien

Aktualisiert 19.01.2023: Veröfentlichungstermin der Essener Studie.
Aktualisiert 23.01.2023: Veröffentlichungstermin des Freiburger Abschlussberichts.

Eine Reihe von weiteren deutschen (Erz-)Bistümern haben Gutachten oder wissenschaftliche Studien zu (sexuellem) Missbrauch in Auftrag gegeben, die sich noch in der Erarbeitungsphase befinden.

Oben schon erwähnt wurden die Bistümer Osnabrück, Eichstätt und Trier, die bereits Teil- oder Zwischenberichte veröffentlicht haben.

Das Bistum Mainz  beauftragte im Juni 2019 den Regensburger Rechtsanwalt Ulrich Weber, der schon an der Missbrauchsaufarbeitung bei den Regensburger Domspatzen beteiligt war (s.o.), mit einer unabhängigen Untersuchung von Fällen sexuellen Missbrauchs im Bereich der Diözese seit 1945. Die Studie „Erfahren – Verstehen – Vorsorgen“ soll im März 2023 vorliegen.

Im Erzbistum Freiburg   konstituierte sich im Frühjahr 2019 die Arbeitsgruppe Machtstrukturen und Aktenanalyse.  Sie arbeitet unabhängig und besteht aus vier externen Personen aus Justiz und Kriminalpolizei. Ihr Ziel ist es, anhand exemplarischer Missbrauchsfälle Verantwortlichkeiten und Formen der Vertuschung von Missbrauch zu analysieren und aufzuarbeiten. Der Abschlussbericht soll am 18. April 2023 in einer Pressekonferenz vorgestellt und online veröffentlicht werden.

Im August 2019 schlossen das Erzbistum Paderborn und die Universität Paderborn  eine Rahmenvereinbarung zur Durchführung eines unabhängigen Forschungsprojekts mit dem Titel „Missbrauch im Erzbistum Paderborn – Eine kirchenhistorische Einordnung. Die Amtszeiten von Lorenz Jaeger und Johannes Joachim Degenhardt (1941-2002)“. Im Rahmen der unter der Leitung der Kirchenhistorikerin Prof. Dr. Nicole Priesching durchgeführten Forschungen legten die beiden beteiligten Historikerinnen im Dezember 2021 eine erste Zwischenbilanz  in Form eines Interviews  vor.
Die im Sommer 2022 konstituierte Kommission zur Aufarbeitung von sexuellem Missbrauch im Erzbistum Paderborn regte an, das Forschungsprojekt auf die Amtszeit des am 1. Oktober 2022 emeritierten Erzbischofs Hans Josef Becker (2003-2022) auszudehnen. Daraufhin wird die Studie jetzt in zwei Teilprojekte aufgeteilt. Ergebnisse zum Teilprojekt I sollen Anfang 2025, zum Teilprojekt II ein Jahr später vorliegen.

Im November 2020 veröffentlichte das Bistum Essen den Bericht einer Kölner Anwaltskanzlei „über den Einsatz des Ruhegeistlichen A. im Bistum Essen“. Mit der umfassenderen sozialwissenschaftlichen Studie „Aufarbeitung sexualisierter Gewalt im Bistum Essen von 1958 bis heute“ wurde 2020 das Münchener Institut für Praxisforschung und Projektberatung (IPP) beauftragt. Der ursprünglich vorgesehene Termin der Veröffentlichung im Herbst 2022 musste coronabedingt auf Anfang 2023 verschoben werden. Die Studie soll jetzt am 14.  Februar 2023 der Öffentlichkeitvorgestellt werden. Einzelstudie zum missbräuchlichen Einsatz von Medikamenten in der Heimerziehung am Beispiel des von Ordensschwestern geleiteten Franz-Sales-Hauses wurde 2020 veröffentlicht.

Nachdem es durch die Würzburger Kanzleien  Dr. Schrepfer & Kollegen  sowie Cornea Franz Rechtsanwälte  im Jahre 2019 Aktenaufarbeitungen zu Missbrauchsfällen im Bistum Würzburg  gegeben hatte, ist im September 2021 ein historiographisches Projekt zur Erforschung von Missbrauch durch Priester seit 1945 zwischen dem Bistum und der Universität Würzburg vereinbart worden, dessen Leitung Prof Dr. Dominik Burkard, Lehrstuhl für Kirchengeschichte des Mittelalters und der Neuzeit, übernimmt. Das Bistum Würzburg stellt die finanziellen Mittel bereit, sichert ansonsten aber völlige wissenschaftliche Unabhängigkeit zu. Die Laufzeit des Projektes wird mit fünf Jahren angegeben.

Einen eigenen Weg ging bisher das Bistum Dresden-Meißen  . Man entschied sich dort für ein örtlich begrenztes Pilotprojekt , das im September 2021 mit einer Auftaktveranstaltung in der Gemeinde Heidenau gestartet wurde. Zum weiteren Pojektverlauf gibt es bisher keine Informationen.

Im Bistum Speyer  wurde im Februar 2022 von der Unabhängigen Aufarbeitungskommission die Vergabe einer Studie  zum sexuellen Missbrauch in Einrichtungen und Pfarrgemeinden innerhalb des Bistums zwischen 1945 und der Gegenwart vorbereitet. Die Leitung des historischen Forschungsprojektes wird die Historikerin und emeritierte Professorin Dr. Sylvia Schraut übernehmen.

Vom Bistum Passau wurde im Juli 2022 die Inauftraggabe einer historischen Studie unter dem Titel „Sexueller Missbrauch von minderjährigen Schutzbefohlenen durch katholische Kleriker im Bistum Passau 1945 – 2020 – Ausmaß und Umstände – Reaktionen und Handha­bung seitens Kirche, Öffentlichkeit und sozialem Umfeld der Betroffenen“ bekannt gegeben. Erarbeitet werden soll sie am Lehrstuhl für Neuere und Neueste Geschichte der Universität Passau unter wissenschaftlicher Leitung von Prof. Dr. Marc von Knorring. Projektstart war im Juli 2022. Bei einer veranschlagten Laufzeit von drei Jahren ist 2025 mit Ergebnissen zu rechnen.

Laut Medienberichten vom 11. Januar 2023 plant das Bistum Augsburg und seine Unabhängige Aufarbeitungskommission eine Missbrauchsstudie bei einer bayerischen Universität in Auftrag zu geben, die einen „von den bisher in verschiedenen Bistümern vorliegenden Gutachten abweichenden Blickwinkel einnehmen“ soll. Bisher hatte es im Bistum Augsburg zwei Einzelstudien zu Kinderheimen gegeben. Im Februar 2019 legte eine Arbeitsgruppe den Schlussbericht zu Vorgängen und Vorfällen im Kinderheim Heilig Kreuz in Donauwörth vor, und im August 2021 folgte der Bericht einer Projektgruppe zur „Aufklärung der Fälle körperlicher und sexueller Gewalt an Kindern und Jugendlichen im Josefsheim Reitenbuch sowie im Marienheim Baschenegg„.

Bitte um Unterstützung

Bei der Erforschung des (sexuellen) Missbrauchs in der katholischen Kirche in Deutschland handelt es sich um einen dynamischen Prozess, der in seiner Komplexität oft schwer nachzuverfolgen ist. Um diese Zusammenstellung so aktuell wie möglich zu halten, bitten wir um Mithlife der Besucherinnen und Besucher dieser Seite. Bitte machen Sie uns mit Hilfe des Antwortformulars auf notwendige Korrekturen, Ergänzungen, Veröffentlichungen und weitere Projekte aufmerksam. Vielen Dank!

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