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Kommission für kirchliche Zeitgeschichte im Erzbistum Paderborn
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Vor 80 Jahren: Bischofsweihe in Paderborn

19. Oktober 2021
Paderborn
Nach neun Monaten Sedisvakanz bekam das Erzbistum Paderborn am 19. Oktober 1941 einen neuen Oberhirten. Lorenz Jaeger, 1892 in Halle an der Saale geboren, war damals wahrscheinlich den meisten Gläubigen und auch vielen Priestern des Bistums unbekannt.

Der 1922 in Paderborn geweihte Priester war zunächst einige Jahre als Pfarrseelsorger in der sächsischen Diaspora tätig gewesen, bevor er 1926 zunächst in Herne, dann in Dortmund im Schuldienst tätig wurde. Die letzten beiden Jahre vor der Wahl und Ernennung zum Paderborner Erzbischof verbrachte Jaeger als Divisionspfarrer überwiegend in Frankreich.

Begeisterte Jugendliche

Die Tatsache, dass das Domkapitel als Nachfolger des verstorbenen Erzbischofs Caspar Klein einen  Offizier und mehrfachen Ordensträger des Ersten Weltkrieges zum neuen Oberhirten wählte, brachte Jaeger bei den Katholiken mitten im Zweiten Weltkrieg durchaus Sympathien ein. Ob das auch für das Naziregime galt, ist bei Historikern bis heute umstritten. Jedefalls wurden die Weiheliturgie im Paderborner Dom und die nachmittägliche Jugendfeier in der Marktkirche zu einer Demonstration katholischen Lebens in einer Zeit, in der kirchliches Leben in der Öffentlichkeit staatlicherseits sehr eingeschränkt war. Vor allem Jugendliche, deren Organisationen und Verbände seit Jahren vom NS-Regime verboten worden waren, nutzten die Veranstaltung, um ihre Treue zur Kirche in der Öffentlichkeit zu demonstrieren. Einer ganzen Reihe von ihnen wurde die Fahrt nach Paderborn allerdings zum Verhängnis. 40 Jungen aus dem Sauerland und dem Ruhrgebiet wurden anschließend verhaftet und für mehrere Wochen inhaftiert. Schulverweise und Verlust der Lehrstellen waren Folge ihrer Begeisterung für Kirche und Bischof. Unter ihnen war auch Jaegers Nachfolger als Erzbischof, der damals 15-jährige Hagener Schüler Hans-Joachim Degenhardt.

Über 30 Jahre an der Spitze des Bistums

Was mit der Weihe im Oktober 1941 begann, sollte zu einem über 30-jährigen Episkopat werden. Lorenz Jaeger stand seiner Erzdiözese damit in einer kichengeschichtlich, gesellschaftlich und politisch äußerst bedeutsamen und ereignisreichen Zeit vor. Er brachte sich sowohl innerkirchlich wie auch gesellschaftlich immer wieder ein. Seit den 1960er Jahren gab es allerdings auch kritische Anfragen an seine Rolle als Bischof in den Kriegsjahren. Unumstritten bleibt sein Engagement für die Ökmene, das sich vor allem im 2. Vatikanischen Konzil (1962-65) zeigte. Die Berufung Jaegers ins Kardinalskollegium durch Paul VI. ist wohl auch eine Frucht seiner ökumenischen Aktivitäten.

Im Alter von 81 Jahren trat Lorenz Kardinal Jaeger vom Amt des Paderborner Erzbischofs zurück. Er starb am 1. April 1975, dem 53. Jahrestag seiner Priesterweihe.