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Evangelische Akademie Hofgeismar, Gesundbrunnen 11, 34369 Hofgeismar
Pfr. Bernd Kappes

Evangelisch sein evangelisch bleiben? Christinnen und Christen in Ost- und Westdeutschland in den 1980er Jahren

Die Tagung thematisiert die Entwicklung des Protestantismus in beiden deutschen Staaten im letzten Jahrzehnt der Teilung und interpretiert sie als Vorgeschichte der gemeinsamen Gegenwart und ihrer Differenzen.

Die Zeit zwischen 1980 und 1989 war von vielfältigen Kontinuitäten, aber auch Umbrüchen geprägt, die zum Teil für beide deutsche Staaten und zum Teil nur für einen von beiden galten. Charakteristisch waren folgende Krisensymptome: gefährdeter Frieden, Umweltprobleme, Wirtschaftskrisen, AIDS-Angst. Die Prozesse der Individualisierung und Pluralisierung schritten voran. Ein gebrochenes Fortschrittsbewusstsein ging mit politischen Protesten einher. Neue Soziale Bewegungen und jugendliche Subkulturen erlebten eine Blütezeit; Opposition formierte sich.

Im Zentrum der Tagung stehen die Fragen, was es in dieser Zeit in Ost- und Westdeutschland bedeutete, evangelisch zu sein und evangelisch zu bleiben und welche Aushandlungsprozesse darüber in den zwei differenten politischen Systemen stattfanden. Dabei steht auch die Frage im Fokus, mit welchen Erfahrungen evangelische Gläubige in die Prozesse der staatlichen, kirchlichen und gesellschaftlichen Wiedervereinigung gingen.

Programm

16. September 2026

Begrüßung
15.30 – 15.50 Uhr

Einführung in das Tagungsthema
15.50 – 16.00 Uhr
Prof. Dr. Claudia Lepp und Prof. Dr. Christopher Spehr, München

Sektion 1: Die 1980er Jahre in Kirche und Gesellschaft Ost- und Westdeutschlands
16.00 – 18.00 Uhr
Moderation: Prof. Dr. Christopher Spehr, München

Religions- und kirchenstatistische Entwicklungen in beiden deutschen Gesellschaften
Prof. Dr. Clemens Albrecht, Bonn

Das letzte Jahrzehnt der Teilung. Die 1980er Jahre in beiden deutschen Staaten
Prof. Dr. Christiane Kuller, Erfurt

19.30 – 20.45 Uhr
Kirchen- und theologiegeschichtliche Entwicklungen im geteilten deutschen Protestantismus
Prof. Dr. Veronika Albrecht-Birkner, Siegen, und Prof. Dr. Harry Oelke, München

17. September 2026

Sektion 2: Evangelisch sein und evangelisch bleiben in den Kirchen
9.00 – 11.00 Uhr
Moderation: Prof. Dr. Maike Schult, Marburg

Vor dem Sturm. Ekklesiologische Konzepte im ost- und westdeutschen Protestantismus
Prof. Dr. Jan Hermelink, Göttingen

Zwischen Veränderungsdynamik und Stabilität – Reformen in den Kirchen
Dr. Kerstin Menzel, Leipzig

Evangelisch sein und bleiben in den ost- und westdeutschen Landeskirchen – als Frau
Prof. Dr. Gisa Bauer, Köln

Ostdeutsche Christenlehre und westdeutscher Religionsunterricht im Vergleich
N. N.

11.30 – 12.30 Uhr
Moderation: Prof. Dr. Antje Roggenkamp, Münster

Wie klingt der Osten und wie der Westen? Kirchenmusik im geteilten Deutschland
Prof. Dr. Harald Schroeter-Wittke, Paderborn

Die Bedeutung von Jubiläen für die evangelische(n) Identität(en) in den 1980er Jahren
Prof. Dr. Thomas Martin Schneider, Koblenz

14.30 Uhr – 16.00 Uhr
Moderation: Dr. Henning Pahl, Berlin

Mit Gott über Mauern springen? Ost-West-Kontakte von evangelischen Kirchengemeinden
Dr. Sonja Kruse, Frankfurt

Ökumene im ost- und westdeutschen Protestantismus
Prof. Dr. Andreas Müller, Kiel

Unterschiedlich herausgefordert: Diakonie in der DDR und in der Bundesrepublik Deutschland
Prof. Dr. Norbert Friedrich, Kaiserswerth

Sektion 3: Evangelisch sein und evangelisch bleiben in der Gesellschaft
16.30 – 18.00 Uhr
Moderation: Prof. Dr. Siegfried Hermle, Köln

Die Auseinandersetzung mit der NS-Vergangenheit im ost- und westdeutschen Protestantismus
Prof. Dr. Tim Lorentzen, Kiel

Ein Minenfeld? Der deutsch-deutsche Protestantismus und die Friedensfrage
Dr. Roger Mielke, Koblenz

Welche Demokratie? Protestantische Vorstellungen in Ost- und Westdeutschland
Prof. Dr. Arnulf von Scheliha, Münster

18. September 2026

Sektion 3: Evangelisch sein und evangelisch bleiben in der Gesellschaft (Fortsetzung)
9.00 – 10.30 Uhr
Moderation: Prof. Dr. Klaus Fitschen, Leipzig

Über Grenzen hinweg. Umweltpolitische Themen in protestantischen Diskursen
Prof. Dr. Anne Käfer, Münster

AIDS (-Angst) als Herausforderung für den Protestantismus in West- und Ostdeutschland
Prof. Dr. Claudia Lepp, München

Protestantische Ethiken? Die Haltung zur Fortpflanzungsmedizin und Gentechnik
Elisabeth Woehlke, München

11.00 – 11.30 Uhr
Moderation: Dr. Dorothee Godel, Hannover

Protestantische Wirtschaftsethik(en) im geteilten Deutschland
Prof. Dr. Jörg Hübner, Tübingen

Schlussbetrachtungen
11.30 – 12.30 Uhr
Moderation: Prof. Dr. Claudia Lepp, München

Evangelisch-Sein aus der Sicht des Katholisch-Seins – ein Tagungskommentar
Prof. Dr. Thomas Brechenmacher, Potsdam

Abschlussdiskussion

Quelle: HSozKult 05.06.2026